top of page

Bolivien und die berüchtigten Roadblocks

  • Autorenbild: ubachofner
    ubachofner
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Etwas ausserhalb La Paz haben wir einen tollen Stellplatz bei Marcos gefunden, klein aber fein und sehr ruhig. Alles was man braucht ist hier und Marcos hat eine kleine Werkstatt, hier bauten wir zusammen die Dieselheizung auseinander, die total verdreckt und verrusst war. Nach einer gründlichen Reinigung funktioniert die Heizung nun wieder tadellos. Einen Termin hatten wir bei La Paz Diesel in El Alto, die mitgebrachten originalen Denso Düsen waren innerhalb 6 Stunden fachmännisch eingebaut, gleichzeitig haben wir noch einen Ölwechsel gemacht und somit ist der Toyo bzw. die Einspritzdüsen wieder fit für die nächsten 100tkm. Die Fahrt nach El Alto hoch war wieder ein Erlebnis der besonderen Art, es ist unglaublich wie steil die Straßen da sind. Unser Navi führte uns durch enge und extrem steile Seitenstraßen, einmal mussten wir gar umdrehen, die Straße war einfach mal weggerutscht. Teilweise mussten wir sogar die Untersetzung in Anspruch nehmen, auf 4000 Meter fehlten doch etwas PS.

La Paz ist die verrückteste Stadt, die wir bisher gesehen haben, Verkehr ohne Ende, aber irgendwie doch faszinierend. Gebaut wird wo und wie es einem gefällt, wie wir gelesen haben, stürzen nach massiven Regenfällen immer wieder Häuser in den Abgrund. La Paz hat das weltweit grösste urbane Seilbahnnetz der Welt, 10 Linien die von Doppelmayer und CWS Olten gebaut wurden erschliessen verschiedene Gebiete der Stadt. Kosten tut eine Fahrt wenige Cents, alles picobello gewartet und sauber. Die Innenstadt erkundeten wir zu Fuss, natürlich hat es zahlreiche Souveniershops und andere Dinge des täglichen Bedarfs wie Lamaföten und allerlei Pülferchen und Salben gegen oder für dies und das werden angeboten. Geschmückt sind die Gassen mit schönen Wandmalereien, teilweise wirkliche Kunstwerke. Ein Ausflug in das Valle de las Animas wurde leider durch einen Roadblock zunichte gemacht, stattdessen besuchten wir das bizarre Valle de la Luna. Mit Roadblocks bringen die Bolivianos ihren Unmut gegen Gesetze, Preiserhöhungen , Pickel auf der Nase des Präsidenten und weiss der Teufel was zum Ausdruck. Die Strassen werden einfach verbarrikadiert, nichts geht mehr. Nun ist das Thema die Streichung der Subventionen für Diesel und Benzin, mittlerweile sind Zu- und Abfahrten zu den grösseren Städten wie La Paz, Santa Cruz, Sucre und Potosi blockiert, ein Wegkommen aus La Paz ist momentan etwas schwierig oder gar unmöglich geworden. Diese Roadblocks sind in der Regel friedlich und gehören fast zum Alltag in Bolivien. Wir sind gut untergebracht, haben genug zu Essen und zu trinken, mal abwarten wie lange wir hier festsitzen. Einen Ausflug mit den Seilbahnen machten wir nach El Alto, hier findet jeweils Donnerstag und Samstag ein Markt statt, der angeblich grösste Freiluftmarkt der Welt. Auf einer Fläche von 25qkm reiht sich Stand an Stand, zu kaufen gibt es alles was man sich denken kann. Auf anraten von unserem Campbetreiber Marcos sind wir nicht in das Gewirr der Stände eingetaucht sondern mit der Seilbahn in einigen Metern Höhe in völliger Stille über das bunte Treiben geschwebt. Auf dem Rückweg haben wir die Basilika von La Paz besucht, ein unglaublicher Prunk mit Gold, leider ist Fotografieren wie auch in der Basilika von Copacabana verboten, wir haben uns natürlich an das Verbot gehalten. Mittlerweile sind nun alle grösseren Städte in Bolivein blockiert, die Proteste weiten sich aus und uns bleibt nichts anderes übrig, als uns hier in La Paz auf dem Camping still zu halten. Aus den Medien und diversen WhatsApp Gruppen erfahren wir, das die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften abgebrochen wurden. Na, das kann ja noch heiter werden. Mittlerweile sind wir seit 12 Tagen in La Paz, langsam haben wir es gesehen und möchten weiter. Am Sonntag Abend dann endlich die Information, dass einen Lösung gefunden wurde und die Parteien ein Agreement unterzeichnen werden, Licht am Ende des Tunnels, wir sollten La Paz innerhalb der nächsten 2 Tagen verlassen können. Allerdings sollen sich die Unions und die Regierung noch nicht ganz einig sein, die Gefahr von weiteren Blockaden ist nach wie vor da und so beschlossen wir, uns raschmöglichst nach Chile abzusetzen.



Am frühen Morgen verliessen wir La Paz und wühlten uns durch das unglaubliche Verkehrschaos in El Alto in Richtung zum Sajama Nationalpark, der sich nahe der Chilenischen Grenze befindet. Auf der Strecke waren noch Überreste der Strassenblockaden zu sehen, abgebrannte Reifen, grosse Steine und nur halb abgetragene Sandhaufen haben wir gesehen. Im Nationalpark fanden wir einen phantastischen Übernachtungsplatz bei heissen Quellen inmitten von Lamas. Leider war das Wetter etwas bescheiden, in der Nacht fing es an zu Regnen und Schneien, es wurde bitterkalt, kein Wunder, denn wir befanden uns auf einer Höhe von über 4300 Meter. Am Morgen waren alle Scheiben gefroren, aber der Toyota sprang problemlos an und wir machten uns auf den Weg zur nahe gelegenen Grenze zu Chile. Das Grenzprozedere dauerte diesmal etwas länger, gleich 3 Busse auf dem Weg nach Chile waren vor uns und es dauerte etwas, bis wir an die Reihe kamen. Aber nach 2 Stunden war alles erledigt und eine sehr schöne Route entlang zahlreicher Vulkane, Lagunen und einer beeindruckenden Landschaft führte uns von 4700 Meter Meereshöhe nach Arica an die Pazifikküste auf 0 Meter. Nach mehreren Wochen im Altiplano, immer zwischen 3500 und fast 5000 Meter war es eine Wohltat, körperliche Anstrengungen zu unternehmen, ohne gleich ins Schnaufen zu kommen. Auch der Toyo hat beschlossen, nun mit dem Rauchen wieder aufzuhören und alle 131 Pferdestärken waren nun auch wieder vollzählig versammelt.



Um wieder südlich zu gelangen boten sich 2 Möglichkeiten an, entweder über die Ruta 5 im Landesinneren oder wieder die Ruta 1 entlang der Küste. Wir entschieden uns für die Ruta 1, da auf der Ruta 5 der ganze Transitverkehr verläuft und entsprechend viele Lastwagen hat. Bei herrlichem Wetter und schönen wilden Übernachtungsplätzen direkt am Meer zuckelten wir gemütlich gen Süden. Unterwegs traffen wir wieder auf Edy und Brigitte und verbrachten mit ihnen einige gemütliche Strandtage an der kargen Küste Chiles. Eine erneute Überquerung der Anden stand an, diesmal wählten wir den Paso San Franzisco aus, mit einer Höhe von 4800 Meter einer der höchsten Andenpässe überhaupt. Der Pass führt über eine Länge von 470km ohne irgend etwas dazwischen von Copiapo in Chile bis nach Fiambala in Argentinien. Vollgetankt mit genug Reservediesel starteten wir von Copiapo bis an den Grenzposten von Chile, erledigten die Ausreise und übernachteten an der Laguna de Santa Rosa auf knapp 4000 Meter im Nationalpark Tres Cruzes, eine herrlich ruhige und kalte Nacht,

Umgeben von Flamingos und Alpakas. Am nächsten Tag ging es weiter in einer unglaublich schönen Landschaft, zahlreiche Vulkane säumten den Weg, an die Laguna Verde und schliesslich an den Grenzposten zu Argentinien wo wir die Einreise in kurzer Zeit und völlig problemlos erledigt hatten. Ziemlich geschafft und mit fast leerem Tank erreichten wir schliesslich Fiambala.



Die Provinc Catamarca im Nordwesten Argentiniens war unser nächstes Ziel. In Amaicha del Valle besuchten wir das Pachamama (Mutter Erde) Museum, ein sehr eindrucksvolles Museum das die Geschichte der Region auf eine künstlerische Weise darstellt. Einen wunderbaren Übernachtungsplatz fanden wir in der Calchaqui Natural Lodge in der Nähe von Amaicha. Martina und Fernando haben sich inmitten der Natur ein kleines Paradies aufgebaut und bieten neben schönen Cabanas auch Möglickkeiten zum Campen an. Beide haben in der Schweiz gearbeitet und spontan haben wir die beiden auf ein Fondue eingeladen, das sich noch in der Vorratskammer des Toyos befunden hat. Es hat uns so gut gefallen, dass wir gleich 2 Nächte geblieben sind.



Nun standen wieder mal 2-3 (langweilige) Fahrtage an, es galt 1200km km hinter uns zu bringen, um Paraguay zu erreichen. Enorme Hitze mit über 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit liessen den Flüssigkeitsbedarf massiv ansteigen und einmal mehr waren wir froh, eine Aircondition im Fahrerhaus zu haben. Nach 3 Tagen Fahrerei (es ging meistens geradeaus) auf mehr oder weniger guten Strassen erreichten wir schliesslich Posadas wo wir die Grenze nach Paraguay nach Encarnacion überquerten. Die Grenzprodedur verlief schnell und unkompliziert und wir überquerten den Rio Parana und gönnten uns in Encarnacion erstmal feines Sushi im Hiroshima Restaurant, den Tip haben wir von Eddy und Brigitte bekommen, vielen Dank dafür. Wir haben ja schon gehört und gelesen, das Paraguay sehr günstig sein soll. Tatsächlich, der Diesel kostet hier nur knappe 80 Rappen pro Liter, ein Päckli Malboro etwa 1.30 und Essen ist sowieso extrem billig. Von Encarnacion nach Hohenau war es nur noch ein Katzensprung und wir quartierten uns im Manantial Resort ein, welches neben einem Hotel auch einen Campingplatz hat. Hohenau ist speziell, es wird hier überall deutsch gesprochen, was uns irgendwie komisch vorkam, aber uns das Leben erheblich erleichterte. Wir haben von verschiedenen Reisenden gehört, dass es in Hohenau einen Lackierer und Spengler deutschen Ursprungs gibt, der sehr gute Arbeit abliefert. Im Laufe der Jahre und nach 100tkm wäre wieder einmal eine Überholung des Unterbodens nötig, auch hat die Karosserie die eine oder andere Blesssur eingefangen, auch die Windschutzscheibe hatte einen Steinschlag und musste gewechselt werden. Also haben wir uns eine Offerte machen lassen und liessen den Toyo für etwas mehr als eine Woche in den Händen von Elvio und seinem Team. Um mobil zu bleiben mieteten wir uns ein Auto und quartierten uns im Hotel Manantial ein. Der tägliche Besuch bei Elvio zeigte, dass die ihr Handwerk verstehen und genau Wissen, was sie tun. Wir genossen die Zeit im Hotel und liessen es uns gutgehen, Friseurbesuch, Massage und Pedicure (natürlich nicht für mich) standen auf dem Programm, Kaffee und Kuchen, gut Essen, mit anderen Overlandern quatschen, Ausflüge in die schöne Landschaft Paraguay mit Besuch einer Jesuitenreduktion, es war fast wie Ferien.



Wir wünschen allen eine schöne Zeit und bis zum nächsten Blog, dann vermutlich aus Uruguay.

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page